
Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte investieren Zeit, Geld und Energie in Motivation: Teamevents, Workshops, Incentives. Trotzdem bleibt oft das Gefühl, dass im Alltag etwas nicht rund läuft. Missverständnisse, stille Konflikte, fehlende Verantwortung oder unterschwellige Spannungen tauchen immer wieder auf – unabhängig davon, wie „motiviert“ das Team auf dem Papier wirkt.
Der Grund liegt häufig nicht in mangelnder Motivation, sondern tiefer: in der Praxiskultur.
Motivation ist flüchtig. Sie kann durch ein Seminar, ein Lob oder ein gemeinsames Event kurzfristig steigen. Kultur hingegen ist das unsichtbare System, das den Praxisalltag dauerhaft steuert. Sie zeigt sich nicht in Leitbildern, sondern in kleinen Momenten:
Wie wird miteinander gesprochen, wenn es stressig wird?
Wie reagiert das Team auf Fehler?
Wer übernimmt Verantwortung – und wer zieht sich zurück?
Was passiert, wenn die Führung nicht im Raum ist?
Diese Muster entstehen nicht bewusst. Sie entwickeln sich über Jahre und werden zur Normalität. Genau deshalb sind sie so schwer zu verändern – und zugleich so entscheidend für den Praxiserfolg.
In der zahnärztlichen Ausbildung liegt der Fokus klar auf Fachkompetenz, Präzision und Verantwortung für Patientinnen und Patienten. Führung, Kommunikation und Teamdynamik werden meist „on the job“ gelernt – ohne klare Werkzeuge.
Viele Praxisinhaber:innen denken deshalb:
„Wenn ich mein Team gut motiviere, läuft es.“
In Wirklichkeit passiert oft das Gegenteil:
Das Team funktioniert – aber nicht gesund.
Ob bewusst oder unbewusst: Die Führung bestimmt den kulturellen Rahmen der Praxis. Nicht durch Worte, sondern durch Verhalten.
Kultur entsteht durch Fragen wie:
Darf man widersprechen?
Wird zugehört oder bewertet?
Gibt es Sicherheit, Dinge anzusprechen?
Werden Entscheidungen erklärt oder einfach getroffen?
Ein Team orientiert sich nicht an dem, was gesagt wird, sondern an dem, was gelebt wird.
Vertrauen wird oft romantisiert. In Wahrheit ist es ein harter wirtschaftlicher Faktor.
In vertrauensbasierten Praxisteams:
Fehlt Vertrauen, kostet das Energie – jeden Tag. Diese Kosten tauchen in keiner Bilanz auf, wirken aber dauerhaft.
Der tägliche Betrieb ist eng getaktet: Termine, Verantwortung, Zeitdruck. Viele kulturelle Spannungen werden dadurch überdeckt oder normalisiert. Man funktioniert – aber reflektiert nicht.
Erst wenn der gewohnte Rahmen wegfällt, wird sichtbar, was wirklich trägt.
Außerhalb der Praxis – etwa auf fachlich begleiteten Reisen oder in gemeinsamen Weiterbildungsformaten – verändert sich die Dynamik spürbar. Rollen lockern sich, Gespräche werden ehrlicher, Verhaltensmuster treten deutlicher hervor.
Nicht, weil „Reisen Probleme lösen“, sondern weil Distanz zum Alltag Klarheit schafft.
Viele Zahnärzte berichten, dass sie ihr Team erst außerhalb der Praxis wirklich beobachten:
Wer übernimmt Initiative?
Wer zieht sich zurück?
Wie wird kommuniziert, wenn Hierarchien weniger greifbar sind?
Diese Beobachtungen sind oft wertvoller als jede theoretische Analyse.
Der erste Schritt ist nicht Veränderung, sondern Verstehen.
Ein Praxisteam braucht keine neue Motivation, wenn:
Hier setzt kulturelle Reflexion an. Sie fragt nicht:
„Wie motiviere ich mein Team?“
Sondern:
„Welches System haben wir geschaffen – und was fördert oder hemmt es?“
Eine gesunde Praxiskultur zeichnet sich durch Klarheit aus:
Das bedeutet nicht Harmonie um jeden Preis. Im Gegenteil: Konstruktive Reibung ist Teil gesunder Zusammenarbeit – solange sie sicher und respektvoll stattfinden kann.
Moderne Fortbildung beschränkt sich nicht mehr auf reine Wissensvermittlung. Viele Zahnärzte suchen heute nach Formaten, die Reflexion, Austausch und Perspektivwechsel ermöglichen.
Plattformen wie Dental on Tour greifen genau diesen Bedarf auf, indem sie Weiterbildung in Kontexte einbetten, die Abstand vom Alltag schaffen und neue Blickwinkel erlauben – ohne den Anspruch, Kultur „zu reparieren“, sondern sie sichtbar zu machen.
Praxen mit stabiler Kultur:
Motivation kann ein Impuls sein. Kultur ist das Fundament.
Wer sein Praxisteam wirklich verstehen will, muss tiefer schauen als Motivation. Es geht um Systeme, gelebte Werte, Vertrauen und Kommunikation. Der Blick von außen – räumlich wie gedanklich – kann dabei helfen, Muster zu erkennen, die im Alltag unsichtbar bleiben.
Nicht jede Veränderung beginnt mit einer Maßnahme. Manche beginnen mit einem Perspektivwechsel.
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